Herbert Hoffmann gilt als der älteste Tätowierer Deutschlands und wird als lebende Legende verehrt. In den 1950er bis 1970er Jahren hat der Pionier der heutigen Tattooszene Menschen porträtiert, die seine Leidenschaft teilten. Mit der Ausstellung St. Pauli Souvenirs zeigt die Galerie Gebr. Lehmann anlässlich des 90. Geburtstags von Herbert Hoffmann rund 45 Fotografien aus seinem Lebenswerk.
Bereits als Kind haben Hoffmann die tätowierten Arbeiter aus seiner Umgebung fasziniert. Die bescheidenen Menschen, die teils in einfachen Verhältnissen lebten, wurden Hoffmann, der 1919 geboren und puritanisch erzogen wurde, bald zum Vorbild. Verfolgt im Dritten Reich, wurden Tätowierte zu Bolschewisten und Verbrechern erklärt - der Ruf der Tätowierkultur war nachhaltig zerrüttet.
Als Hoffmann 1949 nach vierjähriger Kriegsgefangenschaft nach Deutschland zurückkehrte, waren die Helden seiner Kindheit aus dem öffentlichen Leben beinahe gänzlich verschwunden.
Als Handlungsreisendem war es Hoffmann möglich, Tätowierte in allen Ecken Deutschlands aufzuspüren und sie mittels seiner Rolleiflex, wenn nicht in das Licht der Öffentlichkeit, so doch in sein Leben zurückzuholen. Zugleich begann er die Kunst des Tätowierens zu lernen. Schon bald bot er seine Dienste in seiner Freizeit an, und nachdem Hoffmann 1961 seinen Beruf aufgab, eröffnete er die "Ältesten Tätowierstube Deutschlands" auf St. Pauli in Hamburg. Hier konnte er sich vollständig seiner Leidenschaft widmen, hier begann er seine Kunden zu porträtieren.
Hoffmann begegnet den Menschen stets auf Augenhöhe. So zeigt etwa die Fotografie "o.T. (Johann Schloten)" einen älteren Mann, der lediglich eine große Unterhose aus glänzendem Stoff trägt, die seinen dicken Bauch umspannt. Die Haltung seiner Arme, die er in die Hüften stemmt, und der herausfordernde, verschmitze Blick setzen sich über das Kleidungsstück hinweg und zeugen von Stolz. Dieser Eindruck wird durch die Untersicht, in der die meisten der Porträtierten dargestellt sind, noch verstärkt.
Aus Hoffmanns Blick sprechen uneingeschränkt Bewunderung und Respekt für den Einzelnen. Im Fokus seiner Fotografie steht nicht das Tattoo, sondern der Mensch und seine Geschichte. Einige der Foto-Porträts werden von einem kurzen Text begleitet, in dem Hoffmann an die abgebildeten Personen erinnert. Es sind Anekdoten, die gleichermaßen von zufälligen Begegnungen und langjähriger Freundschaft erzählen.
Entstanden ist ein zeitgeschichtliches Panorama, das aufgrund des respektvollen Umgangs mit dem Einzelnen und der Authentizität der Aufnahmen in die Nähe eines August Sander gerückt werden kann.
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Die Galerie Gebrüder Lehmann zeigt vom 20. März 2010 bis 24. April 2010 in der Lindenstrasse 35 (10969) Berlin die Ausstellung St. Pauli Souvenirs von Herbert Hoffmann.
Ausgestellt sind rund 45 Fotografien Herbert Hoffmanns, die er über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren von seinen Kunden geschossen hat.
Die Eröffnung findet am 19. März 2010 von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr statt.